Das Bistum Erfurt steht vor weitreichenden strukturellen Veränderungen. Weniger Priester, Gläubige und Geld geben Anlass, die Zahl der Pfarreien bis zum Jahr 2020 von jetzt 72 auf 32 zu reduzieren und eine Filialkirche neuen Typs zu entwickeln. Das gab Bischof Joachim Wanke bekannt.
Erfurt. Bisher sei es gelungen, die Strukturreform nicht zum Hauptthema im Bistum werden zu lassen. "Sie soll Begleitmusik bleiben", sagte Wanke. Vielmehr geht es um Fragen, wie sich Seelsorge in wandelnder Zeit entwickeln kann, worauf pastorales Engagement zu richten ist und was unverzichtbare Stützpfeiler sind. In diesem Zusammenhang über Strukturen nachzudenken, sei kein Luxus, sondern blanke Notwendigkeit, die in allen Bistümern Deutschlands unverzichtbar ist.
Die Anzahl der Katholiken im Erfurter Bistum ist von rund 600.000 nach dem Zweiten Weltkrieg über 200.000 zur Wendezeit auf aktuell rund 150.000 gesunken. Zurzeit sind 112 Priester im aktiven Dienst. Die katholische Kirche geht davon aus, dass es in zehn Jahren noch 50 bis 60 sein werden. Pro Jahr eine Priesterweihe - mit mehr geistlichem Nachwuchs wird nicht gerechnet.
Die Eckpfeiler der Strukturreform sind in den Dekanaten diskutiert worden, es gab die Möglichkeit, Änderungswünsche zu äußern. Die Eckpfeiler der Reform: Die derzeit sieben Dekanate des Bistums bleiben unberührt. Lediglich innerhalb ihrer Grenzen ändern sich die Strukturen. Durch die Reduzierung der Pfarreien müssten sich Gläubige in vielen Gemeinden darauf einstellen, dass es weniger Heilige Messen, dafür Wortgottesdienste geben wird, sagte Ordinariatsrätin Maria Lubina. Perspektivisch werde die Pfarrei als Zentrum gestärkt, während die Filialgemeinden teilweise ohne Hauptamtliche auskommen müssten. Beim zukünftigen Priesterbild wählt Bischof Joachim Wanke einen sportlichen Vergleich: "Der Priester ist nicht ein Tormann, der jeden Ball aufzufangen hat, sondern er inspiriert, motiviert und begleitet." Dies setze die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Gemeindekerne voraus. Dabei kommt einem neuen Gremium, dem Filialgemeinderat, den es für alle Filialgemeinden neuen Typs ab 2012 geben soll, Bedeutung zu. Es sind Laien, die sich bei der Organisation der pastoralen Arbeit vor Ort einsetzen und Vernetzungen suchen. Das Dekanat Erfurt wird 2020 nicht mehr wie bisher in sieben, sondern nur noch in drei Pfarreien unterteilt sein. Der Dom ist dabei Bischofskirche. Eine Pfarrei bildet St. Lorenz mit den Kirchen Severi, Martini, Georg, Nicolai und Jacobi, Wigbert und Crucis. Die zweite Pfarrei ist St. Josef mit den Filialgemeinden Gispersleben, Stotternheim, Witterda und Gebesee. Die dritte Pfarrei ist St. Nikolaus mit Filialgemeinden in Hochheim, Bischleben, Neudietendorf und Vieselbach.