Schipanski gibt Krebshilfe-Chefposten ab

  • Dagmar Schipanski - hier an ihrem Schreibtisch im Thüringer Landtag, dessen Präsidentin sie von 2004 bis 2009 war.
Nach ihrem Abschied aus dem Thüringer Landtag gibt Dagmar Schipanski nun ihr Amt als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe auf und den Staffelstab an Nobelpreisträger Harald zur Hausen weiter. Die CDU-Politikerin schied mit bissigen Bemerkungen über ihre qualmenden Kollegen im Landtag.
  • Harald zur Hausen.
Berlin. Die Ex-Landtagspräsidentin aus Thüringen bleibt weiter ganz diplomatisch. Sie wolle keinen Kollegen beim Namen nennen, der sie bei dem ganzen Hickhack um die Nichtraucherschutzgesetzgebung persönlich enttäuscht hat. Es ärgere sie aber gewaltig, dass es nun deutschlandweit einen Flickenteppich von Gesetzen gäbe und in jedem Bundesland andere Vorschriften gelten. Dennoch habe sie persönlich sehr die Aggressivität erstaunt, mit der ihre rauchenden Thüringer Parlaments- Kollegen auf ihre "Vertreibung" aus der Landtagskantine reagierten.

Die scheidende Präsidentin sieht als einen Erfolg ihrer Amtszeit, dass durch die Förderung onkologischer Spitzenzentren die Entwicklung und Etablierung einheitlicher Standards in der Diagnostik, Behandlung und Betreuung von krebskranken Menschen vorangebracht wurde. Die Professorin scheidet mit der Vision aus dem Amt, dass alle Patienten in der Fläche optimal versorgt werden.

Neuer Präsident wird der Mediziner und Krebsforscher Harald zu Hausen, der im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Medizin erhielt. Er wies darauf hin, dass es noch viel in der Früherkennung der Krankheit zu erforschen gäbe. In jedem Jahr erkranken 436.000 Menschen an Krebs. Es leben in der Bundesrepublik fünf Millionen, die diese Krankheit haben oder hatten.

Die Deutsche Krebshilfe bedauert ausdrücklich, dass im neuen Koalitionsvertrag die Tabak-Kontrollpolitik nicht benannt wurde. Mit 110 000 Menschen, die jährlich an den Folgen sterben, gilt Rauchen als größtes vermeidbares Gesundheitsrisiko in Deutschland. Deshalb werden Warnbilder auf Zigarettenschachteln sowie die Abschaffung der Zigarettenautomaten gefordert. Die Deutsche Krebshilfe erwartet von der Regierung, dass der auf den Weg gebrachte Nationale Krebsplan in die Tat umgesetzt werde.

Wissenschaftler und Weltbürger zur Hausen, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelt, berichtete gestern, wie kleinlaut er immer werde, wenn ausländische Kollegen ihn zu berichten bitten, wie denn der deutsche Krebsplan funktioniere. Hier habe die Bundesrepublik internationalen Aufholebedarf.

Die Organisation finanziert sich von Spenden, meistens aus Erbschaften. Kontakte zur Pharma-Industrie werden abgelehnt. Die dritte Präsidentin der 35 Jahre alten Stiftung wird auch deshalb in guter Erinnerung bleiben, weil während ihrer Amtszeit das Spendenaufkommen von 70 Millionen Euro auf heute insgesamt 90 Millionen Euro anwuchs.

Wolfgang Suckert / 20.11.09 / ta
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