Die Ostthüringer DGB-Regionalchefin Renate Licht ist neue Landesvorsitzende des Gewerkschaftsbundes. In einer Kampfabstimmung setzte sich die Parteilose gegen den amtierenden Landeschef Steffen Lemme durch, der neuerdings für die SPD im Bundestag sitzt.
Steffen Lemme hört sich an, was seine Konkurrentin zu sagen hat.
Erfurt.
Steffen Lemme
Steffen Lemme
oder Renate Licht? Die Delegierten bei der zweiten ordentlichen Landeskonferenz des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB) in Thüringen waren da durchaus nicht einig. Und so hat Renate Licht bei der Wahl zwar die Mehrheit auf sich vereint, weiß aber nur 40 von 78 Delegierten auf ihrer Seite. Sie löst
Steffen Lemme
Steffen Lemme
ab, der seit 2006 Landesvorsitzender war und zunächst als Einziger kandidiert hatte. Er erhielt 36 Stimmen.
Besonderheit auch: Sowohl Licht von der IG Metall als auch Lemme von Verdi wurden nicht von ihren hauseigenen Gewerkschaften vorgeschlagen. Bei der IG Metall gab es zunächst die Ansicht, der amtierende Vorsitzende müsse unterstützt werden. Lemme hatte im Landesvorstand immerhin eine Mehrheit gegen Verdi erhalten, war so als von dieser Seite vorgeschlagener Kandidat zunächst als Einziger ins Rennen gegangen. Licht trat dennoch an und gewann: Das mache es "nicht einfacher", erklärte sie. "Es gibt einen Haufen zu tun, insbesondere diejenigen zu überzeugen, die mich nicht gewählt haben, dass es dennoch richtig war", blickt sie auf ihre innergewerkschaftliche Arbeit, die jetzt ansteht. Und auch politisch gibt es viel zu tun.
Renate Licht hatte damit gerechnet zu gewinnen, war sich "aber alles andere als sicher". Sie stammt aus Hildburghausen, ist Jahrgang 1963 und damit nur wenig älter als der in Erfurt beheimatete Lemme. Dass sie antreten würde, war zwar seit Wochen in inneren Gewerkschaftszirkeln bekannt und drang kurz vor dem Wahlsamstag auch an die Öffentlichkeit. Offiziell aber wurde Licht erst zur Wahl von Delegierten für das Amt vorgeschlagen.
Bisher war Licht Gewerkschaftssekretärin in Ostthüringen - und gehörte jüngst zum Kompetenzteam von
Bodo Ramelow
Bodo Ramelow
, dem jetzigen Fraktionschef der Thüringer Linken. Ramelow spricht ebenfalls von einer "überraschenden Entscheidung", mit der er "nicht gerechnet" habe, aber sie zeige, wie wichtig die Frage sei, wie örtlich angebunden und präsent die Gewerkschaft ist - oder ob der Landesvorsitzende lediglich jemanden beauftragt.
Genau dies aber hatte
Steffen Lemme
Steffen Lemme
im Sinn. Das von ihm in Aussicht gestellte Geschäftsführermodell habe offenbar nicht überzeugt, weil auf dessen Auswahl die Delegierten keinen Einfluss gehabt hätten, ist Renate Licht sicher: "Ich bin vor Ort - und die Delegierten sagten: Wir möchten einen Vorsitzenden vor Ort". Ramelow, der selbst lange als hauptamtlicher Gewerkschafter in Thüringen tätig war, ehe er in die Politik ging, nennt Renate Licht aus der Kenntnis vieler Jahre "eine engagierte Gewerkschafterin" und von daher reihe sich diese Wahl für ihn ein "in Entscheidungen zugunsten von vielen klugen Frauen".
Heute beginnt sie mit "einer Art Bestandsaufnahme", will wissen, was von Lemme bereits für die Zukunft geplant war. "Wir werden intern ein paar Veränderungen machen müssen: Mit dieser Konferenz sind die drei Regionen aufgelöst und zu einer gemacht worden", erläutert sie. Es gelte nun die Arbeit so zu ordnen und zu organisieren, "dass die Kollegen und Gewerkschaften davon möglichst wenige Nachteile haben". Der DGB Thüringen hatte Ende 2008 knapp 144.000 Mitglieder. Zudem stelle sich die Frage, wer in welchen Gremien die Gewerkschaften vertrete. Wie Gewerkschaft mit der Politik umgehe...
Licht ist kein Mitglied der Linken. Und wie Ramelow sagt auch sie, dass bei ihrer Wahl die Frage "SPD oder Nicht-SPD?" nicht ausschlaggebend gewesen sei. "Ich glaube nicht, dass Gewerkschaften oder der DGB fest in der Hand der SPD sind. In Ostdeutschland - zumindest in Thüringen - ist es jedenfalls nicht so", sagt sie. Zwar sei die SPD früher Arbeiterpartei gewesen, habe sich aber in die Mitte geöffnet "und deswegen haben wir teilweise Auseinandersetzungen mit der SPD-Politik gehabt. Und das hat sicherlich auch dazubeigetragen, dass sich Gewerkschaften inhaltlich ein Stück distanziert haben", so ihre Einschätzung.