Thüringer Linke straft ihren Chef ab

  • Knut Korschewsky.
Mit dürftigen 55,8 Prozent hat die Thüringer Linke ihren Landeschef Knut Korschewsky im Amt bestätigt. Beim Parteitag am Wochenende in Schleiz stimmten nur 72 Delegierte für den Erfurter, der den Landesverband seit 2006 führt.
  • Der Herausforderer: Stanislav Sedlacik.
Schleiz. 45 Ja-Stimmen (34,9 Prozent) erntete der Hohenleubener Stadtrat Stanislav Sedlacik, der überraschend gegen Korschewsky angetreten war. Als Stellvertreter wurden Ina Leukefeld aus Suhl und der Mühlhäuser Jörg Kubitzki wiedergewählt.

Linke-Landtagsfraktionschef Bodo Ramelow stellte fest, die Partei habe eine Diskussion über den Umgang miteinander dringend nötig. Von der Bundespartei forderte er den baldigen Beginn einer Programmdebatte.

In Schleiz gingen die Ansichten der Delegierten zum Inhalt von Begriffen wie "demokratischer Sozialismus" oder "linke Volkspartei" zum Teil weit auseinander. Einig waren sich die Linken darin, einer Vergangenheitsdebatte in der Gesellschaft nicht auszuweichen. Zur kritischen Auseinandersetzung gehöre aber auch der Blick auf die westdeutsche Nachkriegsgeschichte, hieß es. In einem Thesenpapier des Landesvorstands wird die Vorbereitung einer "Stalinismuskonferenz" angeregt.

Stehend applaudierte der Parteitag am Sonnabend der Gastrede Gregor Gysis. Der Chef der linken Bundestagsfraktion sagte zur Regierungsbildung in Thüringen, SPD-Landeschef Matschie habe ein rot-rot-grünes Bündnis nie gewollt und stattdessen eine bequeme Rolle bei der CDU vorgezogen. Sie werde ihm übel bekommen.

Ramelow relativierte später, dass der Hauptkampf seiner Partei nicht der SPD gelte, sondern für eine solidarische und gerechte Gesellschaft geführt werde. Dann könne die Linke bei Wahlen auch die 30-Prozent- Marke überspringen. Zur Landtagswahl im August erreichte sie 27,4 Prozent.

Henning Johr/Volkhard Paczulla / 30.11.09 / otz
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