Vom schnellen Eid

  • Vereidigung der neuen Minister im Thüringer Landtag : Kultusminister Christoph Matschie (SPD, links) und Innenminister Prof. Peter M. Huber (CDU)
Papa, und wo sitzt du hier? Die kleine Johanna Carius läuft durch die Reihen der CDU-Fraktion im Plenarsaal des Thüringer Landtages, schaut mit großen Augen zu ihrem Vater auf. Der zeigt fast schüchern nach vorn: Auf der Regierungsbank nimmt er künftig Platz.
  • Die neue Thüringer Sozialministerin Heike Taubert (SPD) mit ihrer Ernennungsurkunde, die sie am Mittwoch vor ihrer Vereidigung im Thüringer Landtag erhalten hat.
Erfurt. Minuten vorher hatte Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) den neuen Ministern den Amtseid abgenommen. Christian Carius zählt zu ihnen, wird sich dem Bauministerium widmen. Die ersten haben schon angerufen und Wünsche geäußert, um welche Straßen wir uns kümmern sollen, berichtet der 33-Jährige.

Heute, 10Uhr, übernimmt er sein Ministerium, will sich einen ersten Überblick verschaffen. Gleiches plant Heike Taubert , die von der SPD-Abgeordneten zur Sozialministerin aufsteigt. Zeit zur Besinnung auf das neue Amt hatte sie gestern Vormittag, als sie Ronneburg in ihren Renault Clio stieg, um nach Erfurt zu fahren - ohne Fahrer wohlgemerkt.

Schon seit ein paar Tagen hing das rote Oberteil gebügelt im Schrank, mit dem sie auf dem Gruppenbild der sämtlich in Schwarz gehüllten Regierungsriege auffiel. Rot war schon in der Kindheit meine Lieblingsfarbe, sagt sie lächelnd.

Auf der Fahrt nach Erfurt ließ sie ihre bisherige Karriere noch einmal Revue passieren. Als Sozialdezernentin sammelte sie wichtige Erfahrungen, die nun helfen. Ostthüringen liegt mir am Herzen, aber als Ministerin widme ich meine Kraft dem ganzen Land. Angst, den Kontakt zur Basis zu verlieren, habe sie aber nicht. Ich habe viele ehrliche Menschen um mich herum, die mir helfen, die Bodenhaftung zu wahren.

In der Mappe mit der Ernennungsurkunde liegt ein kleiner Zettel mit dem Amtseid bei. Auswändig brauchen ihn die Minister nicht zu lernen. Landtagspräsidentin Diezel verliest ihn, die Regierungsmitglieder brauchen nur kurz zu bestätigen. Ich habe schon Routine, sagt Jürgen Reinholz (CDU), warum er bei der dritten Ernennung wenig Aufregung verspürt.

Er wechselt vom Wirtschafts- ins Landwirtschaftsministerium. Was wie Abstieg aussieht, empfinde er nicht als solchen. In der Landwirtschaft wird ja nicht mehr wie vor 50 Jahren per Hand gemolken. Heute verkörpert der Bereich High-Tech, so Reinholz.

Schon vor anderthalb Jahren habe er beim damaligen Regierungschef Dieter Althaus Interesse angemeldet, in der nächsten Legislaturperiode das Umweltministerium übernehmen zu wollen.

Die Referenzen: In seiner Kindheit habe er die Ferien auf dem Bauernhof verbracht, seit seinem sechsten Lebensjahr sei er aktiver Reiter, gehe gern mit seiner Frau und den beiden Hunden im Wald spazieren. Und in seiner Zeit als LEG-Projektleiter habe er sich um die Sanierung von Altlasten gekümmert. Im neuen Ressort will er sich erst einmal einen Überblick über die 28Außenstellen verschaffen.

Was Reinholz im neuen Amt treibt, wird die Opposition genau beoachten. Das Leben wird bunter, sagt Bodo Ramelow , Fraktionschef der Linken. Er verspüre schon ein neues Klima im Parlament.

Es ist nur gut, wenn wir über Parteigrenzen hinweg reden. Als er diese Sätze sagt, spurten die neuen Minister schon gen Ausgang. In der Staatskanzlei wartet die erste Kabinettsitzung - damit gar nicht erst Langeweile aufkommt.



Amtseid der Thüringer

Minister: Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des Volkes widmen, Verfassung und Gesetze wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe)


Tino Zippel / 05.11.09 / otz
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